Man hört oft, dass Wein zwangsläufig besser wird, wenn man ihn reifen lässt. Aber ist das wirklich der Fall? Rotwein, Weißwein, Champagner … in diesem Artikel erfahren Sie, wie dieser Prozess funktioniert und welche Weine sich am besten für die Reifung eignen. Schließlich können wir die große Frage beantworten: Wird Wein mit zunehmendem Alter wirklich besser?
Welche Faktoren lassen Wein reifen?
Abgesehen von den chemischen Reaktionen, die im Inneren der Flasche stattfinden, gibt es mehrere Faktoren, die wir beeinflussen können, um das Reifepotenzial eines Weins zu erhöhen.
Der erste ist die Luftfeuchtigkeit. Wenn ein Weinkeller nicht feucht genug oder im Gegenteil zu feucht ist, kann dies nachteilige und vor allem irreversible Folgen für die Flasche haben. Die „ideale“ Luftfeuchtigkeit liegt schätzungsweise zwischen 60 und 75 %. Ohne diese Feuchtigkeit trocknen die Korken aus, die Weine oxidieren und verlieren sämtliche ihrer charakteristischen Eigenschaften.
Die Luftfeuchtigkeit ist jedoch nicht der einzige wichtige Faktor im Reifungsprozess, auch die Temperatur des Weinkellers ist entscheidend. Ist die Temperatur zu hoch, reift der Wein zu schnell und seine Qualität wird letztendlich beeinträchtigt. Ist sie hingegen zu niedrig, wird die Reifung verlangsamt und Ihre Weinflasche entwickelt sich nicht normal.
Außerdem sind weitere Kriterien zu beachten:
- Ihr Weinkeller sollte so dunkel wie möglich sein. UV-Strahlung ist für Ihren Wein sehr schädlich und kann zu einer vorzeitigen Oxidation führen.
- Die Flaschen sollten liegend gelagert werden, damit der Wein mit dem Korken in Kontakt bleibt. Dadurch wird dieser feucht gehalten und das Eindringen von Sauerstoff verhindert.
Technischer ausgedrückt bestimmen die im Wein enthaltenen Zucker, Säuren und das Wasser sowie deren jeweilige Anteile, ob ein Wein reifen kann oder nicht. Auch Jahrgänge, Rebsorten, Klima und Weinbaupraktiken können eine Rolle spielen.
Weine, die sich zur Reifung eignen
Zunächst einmal besitzen nicht alle Weine zwangsläufig ein Reifepotenzial, und eine lange Reifezeit ist nicht unbedingt ein Indikator für einen guten Wein. Beispielsweise wird davon abgeraten, günstigen Wein reifen zu lassen, da sein Reifepotenzial gering und die Lagerung kostspielig ist.
Im Allgemeinen haben Weine wie Pinot Noir und Sangiovese aufgrund ihres niedrigen pH-Werts ein höheres Reifepotenzial. Rotweine mit einem hohen Gehalt an Aromastoffen wie Tanninen oder Phenolen, beispielsweise Cabernet Sauvignon oder Syrah, eignen sich ebenfalls sehr gut zur Lagerung.
Weißweine mit einem hohen Säuregehalt gehören zu den Weinen mit dem längsten Reifepotenzial. Die Säure der Weißweine wirkt als Konservierungsmittel, ähnlich wie die Tannine bei Rotweinen. Bei der Weinbereitung werden weiße Trauben direkt nach der Ernte gepresst und anschließend der alkoholischen Gärung zugeführt. Rote Trauben werden dagegen erst nach der Maischegärung gepresst, die einen langen Kontakt zwischen dem Saft und der Traubenhaut ermöglicht. Das Fehlen der Maischegärung bei Weißweinen führt dazu, dass sie weniger phenolische Verbindungen als Rotweine enthalten. Dasselbe gilt für Roséweine, was ihr Reifepotenzial begrenzt.
Champagner und andere Schaumweine sind nur selten Jahrgangsweine und werden normalerweise nicht über längere Zeit gereift, obwohl Jahrgangschampagner gelagert werden kann. Gereifter Champagner ist eine besonders geschätzte Variante und wird aufgrund der Liebe der Briten zu diesem Getränk als „englischer Geschmack“ bezeichnet.
Gereiften Wein genießen?
Jetzt wissen Sie alles über die Reifung von Wein, ihre Funktionsweise und die Weine, die sich dafür eignen. Damit können wir die Frage beantworten: Ja, Weine werden mit zunehmendem Alter besser, aber ihre Zusammensetzung und Lagerung bestimmen, ob es sinnvoll ist, sie reifen zu lassen oder nicht.
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