Um Trauben zu produzieren, durchläuft die Rebe verschiedene Entwicklungsphasen. Diese Phasen beeinflussen Ertrag und Qualität der Ernte. Man unterscheidet zwei Hauptzyklen in der Entwicklung der Rebe:
- Der vegetative Zyklus. Er findet von März bis Mitte November statt. Dies ist die Zeit, in der die Rebe aktiv ist und die wichtigsten Entwicklungsphasen durchläuft.
- Der Winterzyklus. Er beginnt Mitte November und endet im März. Dies ist die Ruhephase der Rebe.
Jeder dieser beiden Hauptzyklen ist in verschiedene Phasen unterteilt, die sich über das ganze Jahr erstrecken. Die Dauer dieser Phasen variiert je nach Terroir und Rebsorte. Domaine du Goût erklärt Ihnen mehr dazu im Folgenden.
Die Tränen
Dies ist die erste Phase, die die Rebe nach ihrer Ruhephase im Winterzyklus durchläuft. Anfang Frühling, ab März, beginnt der vegetative Zyklus. Die Rebe, die im Winter beschnitten wurde, zeigt dann Schnittwunden. Mit der Erwärmung des Bodens zu dieser Jahreszeit beginnt der Saft in der Pflanze wieder zu fließen. Der Saft beginnt an den Schnittwunden der Rebe zu tropfen. Diese „Tränen“ des Safts signalisieren dem Winzer die Wiederaufnahme der Aktivität des Wurzelsystems der Pflanze.
Das Austrieb
Es erfolgt 20 bis 35 Tage nach den Tränen. Von Ende März bis Anfang April erscheinen Knospen an der Rebe entlang der Ruten. Die Knospen schwellen schnell an und öffnen sich, um einen jungen Trieb sichtbar werden zu lassen. Schließlich spalten sie sich. Dies geschieht nach der Heilung der Schnittwunden. Das Leitungssystem der Rebe ist sehr aktiv, vor allem durch die steigenden Temperaturen über 10° und die Feuchtigkeitseinflüsse.
Dieses Aufbrechen nennt man „Austrieb“. Die Knospenschuppen stoßen die „Wolle“ ab, den feinen Trieb, aus dem die zukünftigen Blätter hervorgehen. Diese Phase wird von Winzern genau beobachtet, da die Rebe jetzt sehr empfindlich gegenüber Frühlingsfrösten ist.
Das Blattwachstum
Diese Phase liegt im April. Es ist die Zeit, in der die Blätter zu wachsen beginnen. Die Knospen verwandeln sich in junge Triebe, die sich nach und nach zu Blättern entwickeln. Die Blätter entfalten sich und nehmen ihre endgültige Form an.
Die Blüte
Zwischen Ende Mai und Anfang Juni, nach dem Erscheinen der Blätter, folgt die Blüte, bei der sich die Blütenstände entwickeln. Die Temperaturen sind nun höher und die Sonne scheint intensiver. Diese Bedingungen ermöglichen es der Rebe, ihre Blüten zu entfalten, die später durch Trauben ersetzt werden. Diese Phase ist sehr kurz und dauert nur etwa zehn Tage. Die kleinen weißen Blüten, die in dieser Zeit erscheinen, sind bereits traubenförmig. Die Rebenblüten öffnen sich von unten her. Die Qualität der Blüte gibt dem Winzer Auskunft über den Ertrag der Ernte. Es gibt sogar eine Regel, die den Erntetermin auf 100 Tage nach der Blüte festlegt.
Die Beerenbildung
Immer im Juni welken die Blüten und machen allmählich Platz für die zukünftigen Traubenbeeren. Diese Phase nennt man Beerenbildung, weil die entstehenden Traubenbeeren wie „geknotet“ am Trieb hängen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Trauben etwa so groß wie Pfefferkörner, sehr fest und besonders anfällig für Krankheiten. Wenn die Blüte nicht wie erwartet verlaufen ist, zeigen die Trauben ungleich große Beeren. Dies nennt man Millerandage.
Das Entblättern
Im Sommer ist das Entblättern eine wichtige Arbeit für den Winzer. Dabei werden Blätter entfernt oder abgeschnitten, die die Trauben vor der Sonne verdecken könnten. Ziel ist es, den Trauben maximale Sonneneinstrahlung zu ermöglichen, um eine bessere Reifung zu fördern und das Auftreten bestimmter Krankheiten zu verringern. Diese Arbeit kann manuell oder maschinell erfolgen.
Die Farbveränderung
Ab Mitte Juli verlangsamt sich das Wachstum der Rebe. Die Traubenbeeren, die bisher grün und hart waren, färben sich Beere für Beere. So wechseln die Beeren bei weißen Rebsorten von durchsichtig zu goldgelb, bei roten Rebsorten von grün zu rosa und dann von blau/rot zu schwarz. Die Farbveränderung dauert 10 bis 15 Tage. Die Trauben, die ihre endgültige Farbe annehmen, beginnen auch, Zucker einzulagern, obwohl sie in dieser Phase noch sehr sauer sind.
Die Reifung
Ab August erreicht die Säure der Trauben ihren Höhepunkt. Sie nimmt dann ab, während der Zucker zunimmt. Die Beerenhaut wird ebenfalls dünner. Nun beginnt die Reifephase. Dies ist die entscheidende Phase, die die Eigenschaften des Weins bestimmt. Die Reifephase dauert zwischen 35 und 55 Tagen, von August bis Oktober. In dieser Zeit lagern die Beeren maximal Zucker ein. Besonders das Wetter beeinflusst die Reifung der Trauben. Je kühler das Wetter, desto saurer die Trauben. Sonne und Wärme hingegen führen zu süßeren Trauben. Wenn Zucker- und Säuregehalt sich mehr oder weniger ausgleichen, sind die Trauben reif. Dann kann die Lese beginnen.
Die Ruhephase
Ab Mitte November verfärben sich die Blätter rot oder gelb und beginnen zu fallen. Der Saft zieht sich in Stamm und Wurzeln zurück. Die Rebe tritt in die Winterruhe bis zum März und dem nächsten vegetativen Zyklus ein.
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