Oft ein Synonym für Urlaub, Sonne und Sommer, hat Roséwein auf dem französischen Weinmarkt sowie im Weinkonsum der Franzosen einen immer größeren Stellenwert eingenommen. Aber was sind die Besonderheiten dieses Weins?
Die Herkunft des Roséweins
Roséwein gilt als der älteste Wein der Welt. Tatsächlich entwickelte sich der Weinanbau in der Antike im Mittelmeerraum, insbesondere in der Provence, und damit auch die Weinproduktion.
Damals war der von den Ägyptern, dann den Griechen und schließlich den Römern produzierte Rotwein sehr hell. Dieser Wein wurde übrigens vinum clarum (klarer Wein) genannt. Der Traubensaft, der zur Weinherstellung verwendet wurde, fermentierte ohne Haut- oder Fruchtfleischstücke, wodurch ihm die Farbstoffe fehlten. Außerdem erlaubte das Fehlen der Reifung in Fässern oder Tanks damals keine Intensivierung der Weinfarbe.
Mit dem Aufstieg des Römischen Reiches entstand der Weinbau in ganz Gallien. Die Kirche machte diesen hellen Wein im Rahmen religiöser Zeremonien, den sogenannten "clairets", populär. Clairet ist übrigens der Name, den man dem Roséwein bis 1682 gab, als er im Weinbaugebiet Argenteuil erstmals "rosé" genannt wurde. Der Begriff clairet besteht heute noch als geschützte traditionelle Bezeichnung für Weine der AOC Bordeaux und Burgund fort.
Die Herstellung von Roséwein
Im Allgemeinen durchläuft Roséwein denselben Herstellungsprozess wie Rotwein. Rote Trauben haben eine gefärbte Haut, aber der Saft ist weiß. Die Farbe wird während der Mazerationsphase (dem Kontakt zwischen Haut und Saft) übertragen.
Es gibt verschiedene Methoden der Roséweinbereitung.
Der Mazerationsrosé
Bei dieser Methode werden die Trauben einige Stunden bis zu einer Nacht in Tanks mazeriert, es handelt sich um eine kurze Mazeration ohne alkoholische Gärung. Die festen Bestandteile der Traube, nämlich Haut und Kerne, bilden den sogenannten Trester. Dieser Trester färbt den Wein durch die natürlichen Pigmente in der Traube. Um die Mazeration zu beenden, wird der Saft einfach am Boden des Tanks abgezogen, um ihn vom Trester zu trennen. Dies nennt man "Abziehen."
Der Saignée-Rosé
Diese Methode ähnelt sehr der Rotweinbereitung. Der Wein entsteht aus der Traubenernte, die wie beim Mazerationsrosé in Tanks gegeben wird, allerdings mit dem Ziel, Rotwein zu produzieren. Nach mehreren Stunden Mazeration wird der Saft mit der rosafarbenen Tönung abgezogen. Der verbleibende Teil wird zur Rotweinherstellung verwendet.
Der Pressrosé
Bei dieser Methode werden die ganzen Trauben direkt nach der Lese gepresst. Der gewonnene Saft wird dann in Tanks gegeben, damit die Gärung beginnen kann. Diese Methode ergibt in der Regel sehr helle Roséweine.
Der besondere Fall der Champagne
Die Champagne ist die einzige Region, die Rosé durch das Mischen von Weiß- und Rotwein herstellen darf. Dies ist ein Verschnittrosé.
Warum ist Rosé in Frankreich so beliebt?
Frankreich ist mit 7,6 Millionen Hektolitern pro Jahr der weltweit größte Produzent von Roséwein bei insgesamt 24,3 Millionen Hektolitern Weltproduktion. Neben der führenden Produktion ist Frankreich auch der größte Konsument mit nicht weniger als 8,1 Millionen Hektolitern Verbrauch im Jahr 2014. Das entspricht fast 40 % der weltweiten Produktion.
Unser Land ist zudem der größte Importeur von Roséwein, da die Produktion die inländische Nachfrage nicht deckt. So importieren wir 22 % der weltweit produzierten Rosés.
Abgesehen von seiner sehr geschätzten lebhaften Farbe ist Rosé auch ein Wein mit wenig Restzucker (weniger als 4 Gramm Zucker pro L). Frisch und leicht zieht er vor allem ein junges und eher weibliches Publikum an.
Die Roséwein produzierenden Regionen
Die Provence: die große Rosé-Region
Wie zu erwarten ist die Provence die führende Roséweinregion in Frankreich. 90 % der Weinproduktion der Region sind Roséweine. Die Region produziert 40 % der nationalen und 5 % der weltweiten Produktion. Die meistverwendeten Rebsorten sind Grenache, Cinsault und Syrah. Gelegentlich wird auch ein Hauch Mourvèdre oder Cabernet-Sauvignon hinzugefügt.
Das Languedoc-Roussillon
Das Languedoc-Roussillon ist die zweitgrößte Roséweinregion Frankreichs mit 13 % der Produktion. Klima und sommerliche Atmosphäre ähneln stark der Provence, was die Begeisterung für diesen Wein erklärt. Die Rosés dieser Region sind meist kräftiger und farbintensiver, besonders im Roussillon mit Rebsorten wie Syrah, Carignan und Mourvèdre. Im Languedoc entstehen Rosés häufiger aus der Kombination Cinsault-Grenache, ergänzt durch Syrah und Mourvèdre.
Das Rhonetal
Im Rhonetal gibt es eine Appellation, die ausschließlich Roséwein widmet, den Tavel. Es ist die einzige Appellation im Rhône, die nur Rosé produziert. Die Rosés von Tavel können aus vielen Rebsorten hergestellt werden. Während Grenache Noir dominiert, wird er begleitet von Cinsault, Syrah, Mourvèdre, Calitor und Carignan. Auch weiße Rebsorten wie Clairette oder Bourboulenc können beigemischt werden. Reich und komplex gilt er als einer der wenigen Roséweine, die man lagern sollte.
Korsika
Auf Korsika macht Rosé die Hälfte der Weinproduktion aus, mehr in AOC-Qualität und etwas weniger in IGP. Korsische Rosés stammen von Rebsorten, die typisch für die Insel sind, wie Nielluccio und Sciaccarello, meist ergänzt durch Grenache.
Andere Regionen
Roséwein findet sich auch in anderen französischen Regionen, die nicht unbedingt für diese Weinart bekannt sind. So gibt es einige Roséproduktionen in Bordeaux und Sancerre, wo Rosé aus Pinot Noir hergestellt wird. In Burgund ist Marsannay die einzige Appellation, die Roséwein produzieren darf. Im Loiretal gibt es zwei besondere Rosés, den Rosé d'Anjou und den Cabernet d'Anjou, die halbtrockene Weine sind. Im Bugey findet man den Cerdon, einen halbtrockenen, prickelnden Rosé, der bereits in unserem Artikel "Bergweine" erwähnt wurde.
Schließlich noch einmal eine Besonderheit in der Champagne. Zum einen die Produktion von Rosé-Champagnern, die entweder durch Saignée oder Verschnitt (Mischung von etwas Rotwein in Weißwein) entstehen. Zum anderen gibt es eine einzigartige Appellation für Rosé im Département Aube, Rosé des Riceys. Dieser Wein wird zu 100 % aus Pinot Noir hergestellt. Er durchläuft eine Mazeration von drei bis vier Tagen, wird dann zehn bis zwölf Monate in Fässern ausgebaut und drei bis vier Jahre nach der Ernte verkauft.
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